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Turbinen, Tanks und eine fast vergessene Brücke

In der letzten Nummer des "Settelen persönlich" war von einer einzigartigen Fracht zu lesen: einem rund 80 Millionen Jahre alten Flugsaurier. Das ist kein Zufall. Denn das Unternehmen sammelte seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert Erfahrungen mit aussergewöhnlichen Transporten - speziell bei Grossprojekten. Ein summarischer Rückblick.  
Tank-Transport im Jura: in Kurven braucht es die ganze Strassenbreite (1952)
TANK-TRANSPORT IM JURA: IN KURVEN BRAUCHT ES DIE GANZE STRASSENBREITE (1952)
Ende des 19. Jahrhunderts entstanden in unserer Region die ersten Kraftwerke zur Stromerzeugung. Basel erhielt 1895 - nach dem Abschied vom Rösslitram - zum Betreiben der ersten elektrifizierten Tramstrecke am Claragraben ein eigenes kleines Kraftwerk. Es gewann Strom mit Dampfmaschinen, die mit Koks betrieben wurden.
Zur gleichen Zeit begann gut 20 Kilometer rheinaufwärts in Rheinfelden (Baden) der Bau des damals grössten Wasserkraftwerks von Europa. Es ging 1898 mit 20 Turbinensätzen und einer Leistung von zehn Megawatt in Betrieb; 1903 kam Basel ans Rheinfeldener Netz.

36 Pferde für eine Turbine

Einbau der von Settelen transportierten Generatorturbinen im Wasserkraftwerk Rheinfelden (1897/98)
EINBAU DER VON SETTELEN TRANSPORTIERTEN GENERATORTURBINEN IM WASSERKRAFTWERK RHEINFELDEN (1897/98)
Produziert wurden die Turbinen vom Zürcher Industrieunternehmen Escher, Wyss & Cie. Mündlich überliefert ist, dass Settelen für den Transport der Turbinen auf der letzten Teilstrecke nach Rheinfelden verantwortlich gewesen war. Dabei gelangte das Unternehmen an seine Kapazitätsgrenzen und musste einen grossen Teil der betriebseigenen Pferde einsetzten. Denn zur Überwindung der ruppigen Steigung nach der Brücke von Augst brauchte es einen Vorspann von nicht weniger als 36 Pferden, um die tonnenschweren Turbinen auf den Hügel zu bekommen!
2011, als das Kraftwerk abgerissen wurde, waren noch zwei der von Settelen transportierten Turbinensätze aus der ersten Generation (1897) in Betrieb. Leider ist dieser Transport fotografisch nicht dokumentiert.

Prozession mit Kirchenglocken

Ein Fordson-Traktor zieht einen Brückenwagen mit dem Tramanhänger Nr. 712 (1933)
EIN FORDSON-TRAKTOR ZIEHT EINEN BRÜCKENWAGEN MIT DEM TRAMANHÄNGER NR. 712 (1933)
Fotografisch gut belegt sind hingegen seit rund hundert Jahren Transporte von besonders schweren, langen oder sperrigen Anlageteilen. Mit speziell angefertigten Anhängerkomponenten, die einzeln oder im Verbund zum Einsatz kamen, erledigte Settelen während Generationen auch ausgefallene Transportwünsche - vor allem nach der Beschaffung des ersten Traktors (1925). So konnten zum Beispiel immer wieder neue Anhänger für die Basler Strassenbahnen (heute: BVB) vom Bahnhof ins Depot geliefert werden. Eine andere spezielle Fracht war Eis: Vor allem in den 1950er Jahren transportierte Settelen für die SBB tonnenweise Stangeneis, das für den internationalen Transport verderblicher Güter gebraucht wurde.
Die "Kirchglockenprozession" für die Johanneskirche beim Petersplatz (1936)
DIE "KIRCHGLOCKENPROZESSION" FÜR DIE JOHANNESKIRCHE BEIM PETERSPLATZ (1936)
Einen aussergewöhnlichen Auftrag galt es im März 1936 zu erledigen: Die in Aarau gegossenen Glocken für die neue Johanneskirche beim Kannenfeldplatz mussten auf Fuhrwerken vom Bahnhof zum Bestimmungsort gebracht werden. Der Transport der fünf - zwischen 600 kg und gut zwei Tonnen schweren - Glocken glich einer Prozession. Am Ziel angekommen erhielt jeder, der mitgearbeitet hatte, einen Gutschein für Klöpfer und Brot. Noch heute sind die Glocken gut im offenen Kirchturm zu sehen.

Mit Ungetümen durch den Jura

Der Traktor Nr. 1 mit einem Querrohrdampfkessel an der Türkheimerstrasse (um 1927)
DER TRAKTOR NR. 1 MIT EINEM QUERROHRDAMPFKESSEL AN DER TÜRKHEIMERSTRASSE (UM 1927)
Häufig erschienen Transporte von Tanks und Dampfkesseln in den Auftragsbüchern von Settelen. Der früheste solche Transport, der fotografisch dokumentiert ist, datiert aus den späten 1920er Jahren. Die spektakulärste Fuhre dieser Art brachte Settelen im Sommer 1952 von Basel nach Le Locle. Im Rahmen der industriellen Modernisierung kaufte die Gemeinde Le Locle von der Bertrams AG in Basel zwei Öltanks mit einem Fassungsvermögen von jeweils 150 000 Litern.
Ein 150 000-Liter-Tank wird für den Transport nach Le Locle verladen (1952)
EIN 150 000-LITER-TANK WIRD FÜR DEN TRANSPORT NACH LE LOCLE VERLADEN (1952)
Die beiden Giganten waren jeweils über 25 Meter lang, knapp drei Meter im Durchmesser und wogen leer 15 Tonnen. Für den Transport waren Know-how, Geduld und Einfallsreichtum nötig. Die Ungetüme mussten mit zwei Anhängern transportiert werden, wobei der hintere separat gelenkt werden konnte. Sonst wäre die kurvenreiche Strecke nicht zu bewältigen gewesen.

Kurzlebige St. Alban-Brücke

Eine Baustahlplatte für die Fahrbahn der St. Alban-Brücke auf der Münchensteinerbrücke
EINE BAUSTAHLPLATTE FÜR DIE FAHRBAHN DER ST. ALBAN-BRÜCKE AUF DER MÜNCHENSTEINERBRÜCKE
Bemerkenswert ist die Beteiligung von Settelen an einer Basler Brücke, deren Planung länger dauerte als deren Bestand. Vielleicht ist sie auch deshalb nur noch wenigen bekannt. Die Rede ist von der St. Alban-Brücke.
Ende 1926 verlangte der Grosse Rat den Baubeginn der "Hallwilerbrücke" ‒ die später als "Breitebrücke" und zum Schluss als "St. Alban-Brücke" bezeichnet wurde ‒ bis spätestens im Jahr 1928. Die Bauarbeiten begannen aus verschiedenen Gründen erst im Sommer 1953. Als Zulieferer für die 250 m lange Leichtstahlbalken-Brücke mit einer Baustahlplatte als Fahrbahn dienten vor allem lokale Unternehmen. Den zum Teil abenteuerlichen Transport der riesigen Bauelemente durch die Stadt besorgte Settelen. Im April 1955 konnte die Brücke dem Verkehr übergeben werden.
Die Trägerelemente für die St. Alban-Brücke unterwegs (1954)
DIE TRÄGERELEMENTE FÜR DIE ST. ALBAN-BRÜCKE UNTERWEGS (1954)
Schon bald zeigte sich aber, dass die Brücke für die geplante internationale Verbindung der Autobahnen zu klein war. Gleich neben der Verbindungsbahnbrücke wurde daraufhin die zehnspurige Schwarzwaldbrücke erstellt. 1973 wurde dann die St. Albanbrücke ‒ bereits nach 17 Betriebsjahren ‒ abgebrochen und verschrottet. Immerhin "lebt" Metall an der Stelle des Nordkopfes der Brücke in seiner wohl kultiviertesten Form weiter: Dort befindet sich heute das Tinguely-Museum.
Die St. Alban-Brücke vom Kleinbasel aus gesehen. Stromaufwärts steht die Eisenbahnbrücke. Im Hintergrund ist die Birsmündung zu sehen.
DIE ST. ALBAN-BRÜCKE VOM KLEINBASEL AUS GESEHEN. STROMAUFWÄRTS STEHT DIE EISENBAHNBRÜCKE. IM HINTERGRUND IST DIE BIRSMÜNDUNG ZU SEHEN.






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